Die Mitglieder des Stabes und des wissenschaftlichen Teams hatten ihre Plätze eingenommen. Der Leiter des Teams – positioniert frontal zu den in Stufen angeordneten Sitzreihen und seitlich vor dem großen Monitor – warf einen letzten Blick auf seine Uhr, begrüßte dann die Anwesenden, um diesen nun die Ergebnisse des von ihm geleiteten Modellversuches zu präsentieren. Das Ziel des Experimentes, so sprach er zu den Stabsleuten, deren Spannung er mit seinen Worten zu steigern beabsichtigte, habe ursprünglich darin bestanden, herauszufinden, welche Menge Nahrung ein Soldat im Falle einer Nachschubkrise braucht, um seinen Kampfauftrag fortzuführen, ohne sich seiner Not bewusst zu werden. Und so hatte man zu diesem Zweck ihre täglichen Rationen über lange Zeit um winzige, mit Menschensinnen nicht wahrnehmbare Mengen gekürzt, sowie zugleich ihre Teller und Löffel durch entsprechend flachere Teller und Löffel ersetzt, so dass sich auch bei den Argwöhnischsten, in denen das Misstrauen gegen die Befehlsbevollmächtigten noch nicht erloschen war, kein Verdacht regte, weil jeder randvolle Teller stets die gleiche Zahl randvoller Löffel ergab. Und da man die Speisen ebenso unauffällig zubereitet hatte, nämlich in der Weise, dass ihre Farbe immerzu der Farbe der Teller und Löffel entsprach, schöpften sie aus den von Mal zu Mal flacheren Tellern mit den von Mal zu Mal flacheren Löffeln nach wie vor die erforderliche Menge sättigender Speise. Weitersprechend verkündete der Experte, dass das, was er und sein Team geleistet hätten, einem wissenschaftlichen Wunder gleichkäme, so dass die Mitglieder des Stabes sich darauf einstellen sollten, nun etwas zu sehen, was das Vertrauen zu ihren Augen, ja sogar das Vertrauen zu ihrem Verstand nachhaltig erschüttern würde. Dann schaltete er den Monitor ein. Stolz lächelte er, als sogleich ein Raunen den Raum erfüllte. Die Soldaten, die sich in Marschformation zur Speisehalle bewegten, zeichneten sich nicht nur durch das militärischerseits erwünschte Höchstmaß an körperlicher Genügsamkeit aus, sondern sie verkörperten, was ihr äußeres Erscheinungsbild betraf, auch ein Höchstmaß an visueller Abschreckung. Zwar bestand für die Beobachter kaum ein Zweifel, dass es sich bei diesen Kreaturen um menschliche Wesen handelte, dennoch vermissten sie bei ihnen zwei zum Menschsein gehörende Dinge: die Männer sie besaßen weder Fleisch noch Blut. Danach, als die Tür der Halle sich öffnete, strömten sie in den Saal, um dort, Skelett an Skelett, mit hungrigen Mundlöchern vor der Essenausgabe Aufstellung zu nehmen. Endlich war es soweit. Die Uhr zeigte zwölf. Ein Gong ertönte. Durch die Schlange der Knochenwesen ging ein Raunen der Erleichterung, und in freudiger Erwartung klapperten sie mit den Rippen. Dann wurde das Essen verteilt. Der Soldat in Küchenuniform tauchte seinen großen Löffel in den großen leeren Kübel, zog den leeren Löffel heraus und kippte den Soldaten den Inhalt des leeren Löffels auf die Teller. Diese waren heute, am Tag der Dokumentation ihrer Sonderausbildung, genau so wenig Teller wie die Löffel Löffel. Vorsichtig, damit ihre Teller nicht überschwappten, begaben die Soldaten sich zu ihren Plätzen und fingen an, mit ihren Löffelscheiben ihre Tellerscheiben gierig leerzulöffeln. Nachdem die Mahlzeit der Soldaten und der Film beendet waren, erfüllte Jubel den Raum, die Stabsleute und das Team fielen einander in die Arme und beschlossen, den Erfolg nun gebührend zu würdigen. Sie öffneten die Sektflaschen, füllten ihre Gläser mit der darin enthaltenen Luft und feierten ein Fest, das kein Ende nahm.