Die Auslöschung

Die Gedanken rumorten in meinem Kopf. Ich versuchte sie zu fassen, aber das fiel mir bei jedem Bemühen schwerer. Manchmal, wenn ich glaubte, einen davon erwischt zu haben, stellte sich schon bald heraus, dass er gar nicht existierte. Und manchmal, wenn ich mich gedankenfrei wähnte, ließ man mich wissen, dass sich in mir noch etwas regte. Ich wusste bald schon nicht mehr, wer all diese Leute waren, die mich umgaben. Sie waren manchmal freundlich zu mir, doch oft auch ungeduldig und gnadenlos. Beschweren konnte ich mich bei ihnen nicht, denn ich kannte keinen ihrer Namen. Hin und wieder kam Farbe in meine Welt. Das war mir unheimlich. Denn bald wurden Bilder aus ihnen, menschliche Gesichter, menschliche Figuren und Szenen, bei denen mir das Betrachten kaum möglich war, weil sie beim Hinschauen verschwammen und sich auflösten.  Doch ich wollte nicht nachgeben, wollte weiterhin zu denen sprechen, die beharrlich waren und zu verweilen versuchten. Wenn ich sie fragte, wozu sie mich denn überhaupt besuchten, lachten sie. Aber ihre Art zu lachen, gefiel mir nicht. Es schien mir erzwungen. Sie hatten allerdings nicht mit meiner Schlauheit gerechnet. Denn ich fing an zurückzulachen. Und allerdings, ja, sie waren Kreaturen guten Willens, das zumindest ahnte ich. Sie wollten mir doch nur zeigen, dass sie gerne in meiner Nähe weilten. Es waren auch Wesen aus früherer Zeit, von denen ich nicht wusste, ob es sie noch gab. Ich dachte an Menschen, die in meiner Vergangenheit vorkamen, ja sogar an Personen, die ich Freunde nennen könnte. Aber woher wollten all Diese denn wissen, ob ihre Anwesenheit mich wohlstimmte. Ich grimassierte ihnen zu. Nur zum Spaß. Doch das hielt einige von ihnen bald fern. Diejenigen, die schließlich noch kamen, wurden blasser, so als drohten sie, unsichtbar zu werden,  vor mir zu verschwinden. Und bald half ich ihnen dabei und öffnete gar nicht mehr die Augen. Das tat mir auf eine besondere Weise gut. Die Dunkelheit gefiel mir von mal zu mal besser. Ich bemerkte, dass mein Interesse an allen Dingen, tot oder lebendig, verloren ging. Ich spürte, wie das Ganze aufzuhören schien, so zu sein, wie ich es nach so vielen Jahren der Lebendigkeit noch in Erinnerung hatte. Und wo wollte ich selber hin? Was war ich noch? Es fiel mir nur noch Schattenhaftes über mich ein. Ich verlor mich aus dem Gedächtnis, wusste schon nicht mehr, ob ich schon einmal hier gewesen war. Ich näherte mich einer ruhevollen Ohnmacht, einem Zerfall meiner Zeit, einer unausweichlichen Leere. Ich kannte das doch schon, hatte diese Erfahrung doch schon einmal gemacht – dieses Ableben vor dem Schlaf …