Bespiegelung

Immer wenn er einen Ärger spürte, tilgte er diesen mit aller Macht seines Willens. Er löschte ihn aus wie eine gefährliche Flamme. Und er verschob die verbliebene Asche tief ins Innerste seines Innern. Er beförderte diesen minimalen Rest in ein verborgenes Lager, wo er bleiben sollte bis zum Ende seines Lebens. Und zuletzt noch bis in alle Ewigkeit. Und so verfuhr er mit allen Impulsen, die ihn heimsuchten. Mit jeder Wut. Mit jeder Angst. Mit jedem aggressiven Hassreflex. Und mit noch vielen anderen bösen Wallungen, die ihn überfielen. Das tat ihm gut. So fühlte er sich frei, fühlte sich wohlauf. Und er blieb für die Seinen und für Andere eine angenehme und umgängliche Kreatur. Er verdiente sich die Zuneigung, die er zum Leben brauchte. Und so gelang ihm auch eine Liebe, die seine Seele zuweilen beflügelte. Er war allerseits anerkannt, ein reiner Mensch. Er öffnete die Augen. Er schaute sich an.

                                                                  Peter Loibl, 22. Februar 2026