Samstags

Jeden Samstag, Punkt vierzehn Uhr, stehe ich am Fenster und schaue zum Haus gegenüber. Der Hausherr öffnet die Garage und fährt sein Auto in die Einfahrt. Dann ruft er seine Familie. Er hat eine Frau, zwei Kinder und einen Hund. Jeden Samstag reinigen sie ihr Auto von Dreck, Staub und Bakterien. Dabei pflegt allein der Vater mit dem Auto Körperkontakt. Offenbar hat er seiner Frau und seinen Kindern verboten, Hand an den Wagen zu legen. Sie schleppen nur das Wasser herbei und reichen ihm die Tuben und Dosen mit den Autokosmetika. Zunächst spritzt er dem Wagen einen Schuss Deodorant unter die Kotflügel, dann folgt die Arbeit mit den Reinigungstinktu­ren und Pflegelotionen. Er widmet seine Sorgfalt jeweils einer einzigen, etwa handtel­lergroßen Fläche. Diese behandelt er mit langsamer, im Uhrzeigersinn drehender Bewegung, flach atmend, versunken in einen Zustand entrückter Trance. Dann ändert er die Richtung, behandelt den Lack weiter mit schneller, wirbelnder, gegen den Uhrzeigersinn drehender Bewegung, hyperventilierend, endend in einem Zustand der Ekstase. Schließlich hält er inne, erschöpft und entspannt mit dem Kopf nickend. Die behandelte Fläche ist rein und heil. Und nun folgt die nächste. Sein Hund sitzt neben dem Wagen und fixiert näherkommende Passanten. Diese wechseln respektvoll den Bürgersteig.

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