Immer wenn unser Ort von einem Gewitter überfallen wurde, nahm meine Mutter mich tröstend in die Arme und flüsterte mir zu: Schon wieder hat der Liebe Gott mit seinem Blitz tausend unartige Kinder erschlagen und nur dich hat er am Leben galassen, weil ich nämlich noch schnell genug für dich gebetet habe, aber für die andern Kleinen, wenn die erst oben sind im Himmelssaal mit den tausend Stühlen, macht er eine große Versammlung, schwingt die Faust und verkündet ihnen, dass sie von nun an bei ihm bleiben und für immer und ewig seine artigen Kinder sein müssen. Und wenn es dann donnerte, hob meine Mutter ihren Zeigefinger und raunte sanft: Horch, er rückt schon wieder die Stühle.
Gewitter
Veröffentlicht von Peter Loibl
Peter Loibl ist ein origineller saarländischer Autor von Prosa und szenischen Texten. Lebensdaten: zur Welt gekommen während der Evakuierung in Oberbayern. Ab 1945 in Saarbrücken. Nach der Volksschule 2 Jahre Handelsschule. Lehre als Bankkaufmann. Ausbildung zum Sportlehrer. Sportlehrer im Schuldienst. Vereinstrainer. Abitur auf dem 2. Bildungsweg. Psychologiestudium mit Diplomabschluss. Tätigkeiten als Psychologe (mit Kindern, Jugendlichen, Senioren und psychisch Kranken) Zeige alle Beiträge von Peter Loibl
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