Der Glaube

Ich hatte mein Leistungssoll erfüllt. Ich joggte die noch verbleibende Strecke bar jeglichen Ehregeizes in einem Rausch euphorischer Vitalität, die in mir die Ahnung und den Wunsch auf ein ewiges Leben weckte. Für einen Moment schloss ich die Lider, um einen brennenden Schweiß zu beseitigen, der meinen Blick trübte. Danach, als ich die Augen wieder öffnete, hatte sich die Welt verdüstert. Ich fand mich unter einem dunklen Himmel wieder, inmitten einer Naturgewalt, die mich, bedrohlich näher rückend, umzingelte. Regenschleusen hatten sich geöffnet, Blitze zuckten nieder, Donner dröhnte in meinen Ohren. Der Tod schien mir näher als das Leben, das mein Hirn noch eben mit Ewigkeitsfantasien genarrt hatte. Doch dann, in größter Bedrängnis, kam mir jener berühmte Kirchenreformator in den Sinn, der in ähnlicher Not eine Idee hatte, die ihn rettete. Ich sank nieder auf die Knie, faltete die Hände, sah hoch zum feuerspuckenden Himmel und murmelte: Herr, wenn ich hier heil raus komme, dann glaube ich wieder an dich, so wie früher – weißt du noch, erinnerst Du Dich? Danach schaffte ich es zum Parkplatz, zurück in meinen Wagen und erreichte die Autobahn. Gott sei Dank, seufzte ich. Gern geschehn, vernahm ich eine leise Stimme aus meinem Innern. Ach, antwortete ich, du warst doch gar nicht gemeint.

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