Die Brille

Nur eines noch, sprach er zu ihr, wünsche ich mir, denn dann wäre unser Glück vollkommen. Das wäre wunderschön, antwortet sie ihm, was wünschst du dir denn? Dass du, antwortete er ihr, wenn wir miteinander schlafen, die Brille ausziehst. Aber, entgegnete sie ihm ein wenig erschrocken, dann sehe ich dich doch nur noch ganz verschwommen. Na gut, schlug er ihr, nachdem er eine kurze Zeit überlegt hatte, vor, dann behältst du deine Brille eben an und wir machen das Licht aus. Aber dann, entgegnete sie ihm, siehst du mich nicht und ich dich nicht. Ja, das stimmt, meinte er und überlegte erneut. Er überlegte so lange, bis sie ihn schließlich fragte: Fällt dir nichts ein? Nein, antwortete er, und dir, fällt dir vielleicht zur Lösung unseres Problems etwas ein? Für mich, gab sie zurück, ist es kein Problem. Aber du könntest dir, fuhr er sie an, trotzdem darüber Gedanken machen, mir zuliebe – bitte! Aber vielleicht, fuhr sie trotzig fort, sollten wir ja einfach aufhören miteinander zu schlafen. Dazu habe ich dich nicht geheiratet! schrie er sie an. Dann sollten wir uns vielleicht scheiden lassen, schrie sie zurück. Sie bekamen einen heftigen Streit, aber dann beruhigten sie sich und schliefen miteinander. Warum, so fragte sie ihn plötzlich, noch während sie miteinander schliefen, hast du denn deine Augen geschlossen? Weil ich mir vorstelle, antwortete er ihr, du hättest deine Brille nicht an und würdest vor Glück lächeln. Sie zog ihre Brille aus und sah, wie er jetzt nur noch ganz verschwommen mit ihr schlief. Und sie lächelte.

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