Barrabas

In der Nacht hatten die Bürger des Ortes die Hammerschläge aus der Kirche gehört und die Schreie, die verstummten, nachdem sie das Ungeheuer gekreuzigt und ihm danach das Foto des Mädchens an die Stirn genagelt hatten. Das Kind, damals noch lebendig, hielt eine Schultüte im Arm und lachte. Bei der Bestattung hatte derjenige, den sie später fassten, die meisten Tränen vergossen. Er bestritt die Tat und bekam einen Prozess, der wegen Beweisschwäche scheiterte. Aber die Bürger des Ortes wussten genau, wer ihr Schuldiger war, und wenige Beherzte schritten zur Tat und stellten ihn in dieser Nacht dem in Ehre gekreuzigten Herrn zur Seite. Danach schliefen sie voller Unruhe und fieberten dem Karfreitaggottesdienst entgegen. Die Bürger des Ortes und selbst die Helden unter ihnen fürchteten sich vor ihrem Hass und ihrem Verlangen nach Gerechtigkeit und ihrer Tat und dem, was sie in ihrem Gotteshaus erwartete. Als das geöffnete Portal den Anblick frei gab, folgte dem stummen Entsetzen der ersten Sekunde ein Aufschrei aus den Kehlen aller Kirchgänger. Wer hatte noch vor dem Morgen die Standorte der Kreuze vertauscht? Es setzte sich die Legende durch, der hölzerne Gottessohn persönlich habe dem Geschundenen seinen Platz überlassen und für sich selbst den Ort neben ihm eingenommen.

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